|
|
| Mehndi als Brautschmuck
Eine indische Mehndi-Nacht, die zirka drei Tage vor
der Vermählung stattfindet, geht folgendermaßen vonstatten: Alle Frauen
der Familie kommen zusammen, und nachdem man sich ausgiebig gereinigt (im
Vorderen Orient suchen die Frauen den Hammam, ein Dampfbad, auf) und von sämtlichen
Körperhaaren befreit hat, wird die Mehndi-Meisterin gerufen, wenn sie
nicht schon Mitglied der Familie und somit anwesend ist. In der Regel
werden alle Frauen bemalt, jedoch erhält die Braut das schönste und
aufwendigste Mehndi. Im Orient werden grundsätzlich nur Hände und Arme
bis zu den Ellenbogen und Füße und Waden bis zu den Knien bemalt. Es
sind ohnehin die einzigen Körperteile, die sichtbar sind. Die
Mehndi-Meisterin ist gleichzeitig die Frau, die dafür sorgt, daß der
Braut möglichst viele Informationen als Vorbereitung auf die
Hochzeitsnacht anvertraut werden. Das heißt: je ausgefeilter, feiner und
aufwendiger das Mehndi, desto mehr ist die Braut in erotische Geheimnisse
eingeweiht und sollte somit folglich eine besonders gute Geliebte sein.
Auf diesem Wege wird dem Bräutigam zur Kenntnis gebracht, wieviel Wissen
seiner zukünftigen Frau zugänglich gemacht wurde. In das Mehndi werden häufig
die Initialen des Bräutigams verwoben, die dieser dann suchen muß. Dies
ist ein raffinierter Weg, natürliche Hemmungen voreinander abzubauen.
Immerhin hat sich das Brautpaar erst kurz vorher zum ersten Mal gesehen.
Die Farbintensität des Mehndi hat im indischen Volksglauben eine große
Bedeutung. Man glaubt, je dunkler das Mehndi wird, desto fruchtbarer wird
die Braut sein, desto länger wird sie leben und desto mehr Liebe wird sie
von der Familie ihres Bräutigams und von ihrem zukünftigen Mann
empfangen. Allgemein sagt man, wer ein dunkelrotes Mehndi trägt, habe
"heißes Blut", also Temperament, und sei gesund. |
|